… Jugend soll dem Bild entsprechen, das man von Jugend hat. Aktiv, frech, kritisch, präzise, begabt. Bei einem weiteren Bier diskutieren wir über das Problem, den Humor von Borat oder Adam Sandler mit den von Woody Allen geprägten Vorstellungen überein zu bringen. Wie genaue Analyse da eventuell helfen könnte. Ich erzähle, dass ich dank meines Jugendpresse-Ausweis als Teenie in die deutsche Erstaufführung von Pulp-Fiction geraten bin, damals, bei einem Filmkritiker-Symposium, und wie zwei Filmkritiker anschliessend den Film verrissen als blöde Unterhaltung - zwei Filmkritiker, die heute wiederum jeden Tarantino- Film kritisieren, weil er nicht so meisterhaft sei, wie Pulp-Fiction. Ich habe mir eure Namen gemerkt. Damals sass ich voll schlechten Gewissens ob meiner Hingabe für dieses Machwerk im Kino und hörte den beiden erschrocken beim Reden zu, bis ein niederländischer Filmprofessor aufstand, und in schlechtem Deutsch eine zwanzigminütige Analyse von Pulp Fiction vorlegte, die mich in ihrer Klarheit bis heute überzeugt - und ausserdem meiner Begeisterung für den Film Ausdruck gab.
Mittwoch, Februar 01, 2012
Sonntag, Januar 22, 2012
nachschauen. heat (1995) bis the wire (2002)
wer THE WIRE geguckt hat und sich nocheinmal HEAT von michael mann zuwendet, sieht einen film in dem ältere herren schöne autos fahren und hübsche, junge frauen haben
- das war schon 1995 so
- ja, aber : „if you feel the heat.“ – das thema mccauley-de niro / vincent - al pacino ist das selbe, welches auch jimmy mcnulty und kima greggs in der krankenhaus-szene der ersten staffel verhandeln
- it’s the script-writing, stupid: es ist die erzählte welt, die die differenz des gleichen themas ausmachen: THE WIRE: eine lesbische, schwarze polizistin, die abends versucht sich fortzubilden und die im einsatz zusammengeschossen wurde sowie ein weisser, geschiedener, entsoregerechteter, trinkender polizist reden, warum sie es nicht lassen können – und HEAT:
- genau, ältere herren, die schöne autos fahren und hübsche, junge frauen haben.
- es ist das thema im erzählten, aber eher in einer ausschlusslogik: von was es sich absetzt (von THE WIRE ginge es hier weiter über THE KIDS ARE ALLRIGHT zu TIME CODE) : die hitze (des gefechts, des verbrechens, der action) ist ein problem, eine sehnsucht, eine angstlust oder transgression NICHT weisser älterer herren UND AUCH NICHT junger frauen mit kindern.
eine logik der negation liegt diesem script-writing zu grunde, und das thema kristallisiert in der negation.
Donnerstag, Oktober 30, 2008
Neorealismus II
gomorrha funktionalisiert den personalen erzaehlstil der kamera
- quasidokumentarischer naturalismus
- wichtiges anliegen
- versuchte provokation des genres mafiafilm
zur entschuldigung fuer einen schlechten film. realismus als ausrede, der realitaetseffekt als universal-begruendung
- und brecht: die realistischen autoren mussten dann immernoch ne figur auftreten lassen, die ihre meineung in ihrer realitaet vertritt
- wo steht das?
in gomorrha uebernehmen klischees den realismus: der dicke und der duenne, der kuenstler in der brutalen welt etc. pp. usf.
- interessant waere ja: wie loesen mafiosi mit 5 000 000 $ tagesumsatz arbeitskonflikte. dafuer nimmt sich der film keine zeit
keine zeit, irgendetwas zu zeigen ausser "so ist das", reines "so ist das", ohne "wie? : so" und ohne "das - was?".
crime wave von andré de toth verbluefft durch sein hohes tempo, den raschen wechsel von konstellationen - physischen konstellationen
- und szenischen aufzaehlungen
"paare beim officer im polizeibuero"
"insassen von automobilen, die am strassenrand durchsucht werden"
rhythmus
wahr ist wahrscheinlich, dass es der form bedarf, damit sich irgendetwas zeigt.
Mittwoch, Oktober 29, 2008
Neorealismus
jungs, so was halt. sie kundschaften aus, wo die anderen
- d.h. die "andere gruppe"
etwas verstecken, was sie selber gerne haben wollen. das ist
schwierig: sie muessen die anderen beobachten, verfolgen, das alles
geschieht heimlich. sie entdecken das versteckte, bringen es an sich.
und anschliessend fahren sie an den see, um dort
- zu feiern
- sich zu freuen
- das versteckte auszupacken
wer so etwas tut, tut es laut "gomorrha" auf peinliche weise, in
schlecht sitzenden badehosen, ist homophob, haesslich, abartig.
"gomorrha" diffamiert das glueck seiner figuren.
"Ach, zürne nicht, Herr, dass ich nur noch einmal rede. Man könnte
vielleicht zehn (Gerechte) darinn (in Sodom) finden. Der HERR aber
sprach: Ich will sie nicht verderben um der zehn willen."
Donnerstag, August 21, 2008
dark knight
heath ledgers joker ist in seiner physischen verletzlichkeit ausnehmend hervorragend. in einer szene läuft er in eine versammlung von mafiabossen, um sich dann, schritt für schritt, mit dem finger am faden seiner garanaten zurückzuziehen. nicht cool, sondern wach, geil. wie joker sagt: er plant nicht, er tut chaos. als batman auf ihn einprügelt, ist es nicht die physische unverletzlichkeit eines titan-anzugs, die ihn ungreifbar macht, sondern, daß er nichts zu verlieren hat. manche wollen eben einfach nur die welt brennen sehen. mit den sollte man nicht spielen. und manche wollen den helden spielen, für die ist alles etwas schwieriger. und mit ihnen ist auch alles etwas schwieriger. joker terrorisiert die anderen, alle restmoralischen figuren, indem er sie aporien aussetzt, die sie in unlösbare konflikte mit ihren eigenen werten bringt (und sei es die moral des geldes) : terror als psychischer terror verstanden und genutzt
: right in the face und subkutan

(alles andere ist aufgesetzt oder fake. die geschichte mit ihrer moral: will man doch nicht sehen. die actionszenen: nicht state-of-the-art. die architektur: schon fein, aber auf dauer kommt sie den figuren nicht nach. die einstellungen und beleuchtungen: zu einheitlich, uninteressant, keine komposition. die filmmusik: hört man auch nur im film.
wirklich verblüffend ist, wie durchschnittlich well-made eine comic-verfilmung sein kann. jetzt mal im vergleich zum hulk von ang-lee (die ersten 20 minuten revolutionär, danach todlangweilig), oder spiderman drei (wie übertrumpfe ich spielberg im genremixen). gary oldman ist mir unbemerkt durchgegangen. ...)
Mittwoch, Juli 23, 2008
May you be in heaven a full half hour
"before the devil knows you're dead"
irgendjemand hatte irgendjemandem erzählt, der film sei nicht so
- nicht so was
- und deswegen dauerte es also bis zum sommer
- gezittert habe ich, im kino
genre: was ist das:
- ein thriller ist spannend
nicht so sehr ein wirkungsästhetischer begriff
- in einem actionfilm wird geprügelt, witze werden gemacht, es gibt explosion
auch nicht so sehr eine summierung der verwendeten teile, als vielmehr die zugrundeliegenden verknüpfungsregeln, also
- was wie geht
- was wie auf was folgt
- die grammatik sozusagen
- deswegen wäre wilders nächtliche notiz "a man meets a woman"
- als genre-bezeichnung zu verstehen
genre: das ist das, wovor sich der film im jeweiligen absetzt
- irgendwie unklar
- müde
regen auf den fenstern, gedankentrommeln im hintergrund
- "was intelelle nicht zu sagen wagen" - gedanken vor dem einschlafen
gestern war ich so in meiner wut, so fokussiert, so verbissen, zu boden gegangen, zusammengekrümmt, starrend, daß mir nichts mehr einfiel als: einer von uns beiden wird draufgehen müssen. in genau diesem gedanklichen ton. ich bat um fünf minuten, kuschelte mich, zunächst physisch, an mich. go down, boy, go down. heads down. stand dann auf, deklarierte ein paar regeln, mehr für mich
und hielt mich mit den augen in ihren augen fest, kämpfte darum, sie anzusehen, die ich
-
-
und dann - ja was dann - dann irgendwann - war die wut vorbeigewesen.
im film wird das alles gezeigt, diese momente der enscheidung, diese kämpfe mit sich selbst. das ist quälend, peinsam, bitter, manchmal fies-komisch, windend, überraschend
- jedenfalls großartig.
und die im deutschen verleihtitel tödlichen entscheidungen werden in zeitnot, für geld und anerkennung getroffen, außerdem sind überall waffen im spiel
- aber du kennst die zahlen: die anzahl der tötungen in den usa und in europa sind gleich groß, in den usa sind es morde, in europa selbstmorde
da könnte ich mich gleich wieder hinlegen
Donnerstag, Juli 17, 2008
nouvelle vague
- den film gleichen titels meinst du
bis dahin hatte ich nur den soundtrack gekannt. ich wollte gehen, du wolltest auch gehen, du wolltest dann nicht gehen, weil du dachtest, daß es mein lieblingsfilm wäre, der da vorne liefe, und ich, ich wollte nicht gehen, weil ich dir wie jedem
- ihr aber noch mehr
das recht einräumte, einen film bis zum ende zu sehen
- ein hoher moralischer wert
- das recht einzuräumen?
- zurückhaltung, höflichkeit
seltsamer moralischer wert: einen film bis zum ende anschauen
- sonst darfst du nicht mitreden
- kannst du nicht mitreden
etc. etc.
nouvelle vague oder warum ein guter regisseur auch aus den falschen gründen geliebt werden kann.
Mittwoch, Juli 09, 2008
send me a text
die komödie macht in "happy-go-lucky" die kamera. wie schaffe ich aus einem fluß, einer s-bahn, und einem flohmarkt einen rummelplatz? eine frage der einstellungen. siehe autofahrten, tanzklasse, cafe. was sich im rahmen der leinwand abspielt ist "dokumentarisch" : southampton. die handlung
- episodisch, kaum ereignisse, einzelne stränge
ist keine komödienhandlung
- obwohl zoe mit ihrer trockenheit sehr lustig
- und poppy?
- das jemand humor und schnell und viel reden kann
- und dann schweigend in einer bauruine herumläuft
das ist ja der witz
- haha
das polly eben genau keine komödienfigur ist,
- die könnte auf die nerven gehen, wäre die handlung nicht so klug aufgebaut
- eine komödienfigur könnte das nicht?
- die vergnügt
wie auch keine der anderen figuren: poppy, eine möglichkeit von verhalten der menschen untereinander, und zwar genau da : in southampton
- mike leigh würde sie jedenfalls gerne treffen
- wer nicht?
- i did it
spiel zwischen sprache der kamera und diegese: und wie sich poppy zur welt verhält, so verhält sich auch die kamera zur selben.
was dem einen ghostbusters ist, ist dem anderem nummer fuenf lebt
- ohohoh
science of sleep fand ich arty arty und zielgruppig,
- aber eternal sunshine
- und warum das nur ein slapstick-koenig spielen kann
ein feel good movie: alles argumente, um "be kind rewind" nicht anzusehen.
es regnete, "lucky-go-happy" ausverkauft, taxi genommen, gondry geschaut. wunderbar.
das steht quer zu vielem: nicht so called klassiker, auch keine martial-arts-b-movies werden zitiert, sondern MIB, ghostbusters, herr der ringe. die gesichter leuchten im widerschein eines videobeamers, nicht eines projektors. und die filme werden nicht geschaut und nicht interpretiert, sondern nachgespielt, nachvollzogen. infantil? vielleicht.
- ich stelle mir ja schon das erfinden als lustvoll vor: warum drehen die die filme? weil sie eine videothek haben, wo alle kassetten kaputt sind. warum sind die kaputt? weil der eine magnetisch ist. warum ist der magnetisch? weil er ein kraftwerk sabotiert usw.
gedankenflug: um sich 'be kind rewind' in seiner radikalitaet zu vergegegenwaertigen, muss man sich das prinzip auf die literatur umgeschlagen vorstellen. da hiessen die autoren dann nicht eta hoffmann, goethe, thomas mann, maigret, sondern die buecher der medicus, zwei von zwei, oder teleny.
plaedoyer fuer die nicht begruendete lust, die illegitime lust, fuer das weder meisterhafte noch abwegige - sondern fuer das rummachen, das lesen in der nacht, und den weg zum kuehlschrank und bier und popcorn
Sonntag, Juli 06, 2008
ken park
damals lagen wir den nachmittag lang im park, als zum ersten mal meine hand unter ein t-shirt wanderte. die sensation
- dein lieblingswort heute
werd ich nicht vergessen
bis hierher ein guter sommer
in der verletzten szene von ken park (larry clark) überwältigt die leinwand durch ihre textur, durch die weitgeöffneten poren, durch haut. schon dadurch nichts pornographisches: der porno kennt keine haut (und nur bilder der lust, nicht das taktile)
dagegen ist 'paranoid park' hollywood für twenty-something-bohemians. lauter meinungen, die man über seine eigene jugend haben kann (einsamkeit unausgesprochenes tragisches) in visuelle fiktionswahrheiten übersetzt: geistige malerei der JUGENDLICHKEIT
Samstag, Juli 05, 2008
sommer: schwierige jahreszeit
wie die haltung wiederkehrte,
- die form der sensibilität
- das gewohnte körperliche
- welche flächen bedeckt sind, abgewandt, zugewandt
wie der körper zurückkehrte,
- i'm a cyborg but that's ok
und das gespräch lief besser
in der küche meiner eltern hängt ein bild, mit meiner ersten jacke, die nicht meine allererste jacke war, aber eben die erste, die ich, normalerweise, nicht ausziehe
und es hat nichts mit immer im aufbruch sein und nicht ankommen zu tun, kein großstadtnomadentum, und sie ist auch keine lederjacke und auch kein jacket
- sondern?
der körper, den wir haben
Dienstag, Juni 24, 2008
fessel mich
die auflösung des beamers ist größer als die des videos; man sieht die bildzeilen flirren
die zwei boxen könnten stereosound erzeugen, gäbe es in der mitte plätze, dort ist aber nur der lichtschacht
die leinwand ist kaum gespannt und flattert im abendlüftchen
selbstverständlich wird die deutsche synchronfassung gegeben
dafür kinopreise
am dach der stadtbibliothek. gewitter zieht auf. die ersten böen. die ersten tropfen auf den beinen. leiser donner, die fernen blitze, dann prasselt es los. orangene einwegregenschutzplanen übergezogen. ihr erfahrungsjunkies, ihr könntet singen, deswegen habe es sich gelohnt, und ich stimmte ein.
dafür kinopreise
am dach der stadtbibliothek, das da vorne also überhaupt film war, hatte was mit almodovars ¡átame! zu tun.
dafür kinopreise
Montag, Mai 19, 2008
Brave Story
- das zusammengesetzte
- so wie johnnie to, running for karma
widerstand, nicht gegen die krude story, sondern gegen die zusammengebastelte ästhetik, gegen die fehlende linie der visualität
keine begründete ablehnung. garkeine ablehnung. nachdenken über bildwelten, montagen, und die linie des erzählens, die linien der sinne und des sinns
Donnerstag, Mai 01, 2008
das personal ist begrenzt
- alles?
- alles.
abspielt : was so wahnwitzig erscheint in einer fernsehserie, ist soziale wirklichkeit in einer kleinstadt
- und in jugendszenen
- in der jugend
die fernsehserie transportiert diese soziale wirklichkeit in ein setting, in der sie dann irreal wirkt.
- für jemanden, der dieses setting kennt?
new york. münchen. berlin.
- nooteboom in seinen berliner aufzeichnungen: deutschland ist ein land, daß von der provinz geprägt ist.
- liest du immernoch nooteboom?
und auf der anderen seite: welcher sozialen wirklichkeit entspricht der (gerne amerikanische, gerne independent) episoden-film? der sein setting gerne in billigen großstädtischen wohnvierteln, und im niemandsland
- mexikanische grenze, afghanischen berge
findet?
film für die modernen nomaden, die in outdoorjacken vor der bar zum rauchen stehen,
deren traum nicht die ikonograpische großstadt ist, in der sie leben. stattdessen das ideologem alles-ist-irgendwie-mit-allem-verknüpft, anstelle des realen sozialen
- anstrengend
- du oder das?
Mittwoch, April 30, 2008
louis mit dem nützlichen verbinden (2)
[21:10:55] (ge) : und von blogs bin ich nicht mehr fasziniert, als von einem okayen roman.
[21:13:00] (ge) : und auch sonst -
[21:13:28] (ge) : vielleicht bin ich ein fortschrittsgläubiger moderner?
...
eine ästhetische reflexion ist eine ganz andere als eine soziologische. ein medium im medientheoretischen oder sozialen sinne etwas anderes, als ein
- wolltest du jetzt sagen: künstlerisches medium?
- künstlerisches format?
- was wolltest du überhaupt
als die photographie entstand
- davon hast du doch gar keine ahnung
als der film entstand
- beide entstanden doch nicht als künstlerische medien
- und bis zum formatradio ein weiter weg
- und überhaupt: hälst du nicht große stücke auf RB, der schreibt: die photographie verliert ihr kraft dort, wo sie kunst wird
- so ähnlich
ich stelle mir vor, daß jede technische oder soziale erfindungen in kunst zu verschiebungen führt. die malerei hat sich mit dem auftauchen der photographie geändert. porträtmalerei gibt es immernoch. sie ist dennoch wo anders jetzt. veränderungen in der umgebung: die umgebung kann dabei auch der warnehmungsapparat sein
- siehe die entwicklung der montage im kino
- apocalypse now redux: da sah man dann einen neuen film, was das trägermaterial betrifft, aber einen alten, was den schnitt. historizität des schnittes
- du akzeptierst einen e.t.a hoffmann roman also auch nur deswegen, weil er ein paar undert jahre alt ist
- ich lese ihn jetzt als einen, der ein paar jahre alt ist
umgekehrt : das aufnehmen eines mediums/formates in der kunst ist etwas anderes, als das herausschreiben aus einem medium/format. eine neue short-story bezieht sich auf andere short-story, und ein cechov-stück bezog sich auf ein bestimmtes theater oder bestimmte stücke, auch wenn seine stücke fremd dastehen.
das auftauchen eines mediums oder eines formats ist dagegen etwas anderes: das, worauf sich das einzelne (singuläre) bezieht, ist ein ganzes, was es noch nicht gibt. und dennoch bezieht man sich auf dieses zukünftige, man holt eine zukunft herein.
- übrigens ein banaler vorgang: wer holt nicht die zukunft hinein in das, was er gerade tut
- aber es ist nicht nur die zukunft die ungewiß ist, es sind selbst die regeln des hereinholens- du bist ein fortschritsgläubiger moderner.
was ist das gegenteil von erfahrungen? wie nennt man jene kapazitäten, die sich nicht auf vorhandenes, auf die wiederholung oder abweichung rückbeziehen, sondern vorrausbeziehen auf das kommende, auf das, was wird?
Dienstag, April 29, 2008
Das gilt auch für Sex mit Ausserirdischen
- 30 % alle männer hätten gerne sex mit einer ausserirdischen
- wollen auch 30 % der ausserirdischen mit uns sex haben?
- haben sie sex miteinander? oder wären wir es, die das, was wir mit einer ausserirdischen lebensform hätten, als sex betrachten würden?
- wer ist wir?
als könnte ich nur über vorstellungen von und erinnerungen an sex schreiben. und als wären diese vorstellungen und erinnerungen etwas tatsächlich anderes, als das, wovon sie vorstellungen oder woran sie erinnerungen sind. als wäre sex so etwas ähnliches wie schlaf: ich kann mir vorstellen, zu schlafen, ich habe sogar eine körperliche vorstellungen davon, was das sein könnte, schlafen, ich kann mich erinnern geschlafen zu haben, ich kann mir wünschen, zu schlafen. aber eigentlich weiß ich nicht, was das ist: schlaf.
ich stelle mir vor - ich habe eine sogar körperliche vorstellungen davon, was das sein könnte - ich kann mich erinnern, wie es anfing - oder wie es war, nachdem es endete.
- wie ist etwas, nachdem es geendet hat?
- und niemand weiß, was das ist, zu schlafen, weil
- wer schläft, ist nicht
- falsch: wer schläft, ist nicht ich.
das wort vom "miteinander schlafen" kennzeichnete dann ein bestimmtes verhältnis der subjekte zu sich und zum anderen und zur welt.
in "wenn die gondeln trauern tragen" von nicolas roegg sieht man das archäologen paar sich bereit machen, um abendessen zu gehen. dann wird ineinandergeschnitten, wie sich sich ausziehen, und wie sie sich danach wieder anziehen. that's it.
Freitag, April 25, 2008
Frühling, Krieger, Mädchen
- neu? das ist schon letztes jahr erschienen
an einem brillianten februar morgen, der mir frühlingshafter erscheint als der frühlig jetzt,
- gefühlte jahreszeit: spätsommer
- winterende, dem wetter nach
lief ich die große strasse zum schottentor hinunter, irgendein treffen im aida, später wollte ich zu einer diplomausstellung, und zu dieser ein diplomgeschenk mitnehmen.
es gibt einige gefährliche buchhandlungen,
- die bernhard-epigonen schrieben jetzt: es gibt einige gefährliche buchhandlungen, selbst in wien
- so'n quatsch
eine davon liegt an jener großen strasse, und ich betrat sie in der absicht, dort salingers franny & zoey zu kaufen
- die begründung dafür liefer nach
das buch war allerdings nicht mit dem klassischen 50er-jahre-einbandtitel zu bekommen
- die beschreibung liefer nach
ich stöberte in den regalen, sehe also dieses strahlend weisse buch, mit dem lippenstift vorne drauf, der einen handfeuerwafenschatten wirft, "waffenwetter" heißt das buch, dietmar dath der autor
- ist das das neue buch nach "dirac" von dath?
- neu? das ist schon letztes jahr erschienen
- ich fand "dirac" ganz toll. und das jetzt?
- ich habe es nicht gelesen.
verärgert über das überregionale fäulitong, das einen roman wie "dirac" in allen blättern gleichzeitig bespricht, so daß ich's mitbekomme, kaufe, lese, liebe - um dann den nächsten roman zu verschweigen
- mit jürgen becker ist es ähnlich. jedes dritte buch wird besprochen. also muß ich ständig nachschauen, ob was erschienen ist. "der fehlende rest": überall besprochen, beschrieben. "aus der geschichte der trennungen", dafür bekommt er den johnson-preis,
- zurecht
- zurecht?
aber besprochen wirds nicht.
- man sollte eine seite einichten, wo man neuerscheinungen bestimmter autoren als rss feeds abonnieren kann
- man oder amazon
- gibt's bestimmt schon
die themen des feulliton funktionieren wie die theaterspielpläne: wie eine grippale infektion in einem begrenzten biotop
- ist das das neue buch nach "dirac" von dath?
- neu? das ist schon letztes jahr erschienen
- ich fand "dirac" ganz toll. und das jetzt?
- ich habe es nicht gelesen.
- dann überleg ich nochmal
hardcover, teuer, d.h. teurer als kino oder der abend im cafe. schnell blättere ich ins buch hinein, bin abgeschreckt: alles klein geschrieben
- kleinschreibung ist manieristisch
- außer in informellen zusammenhängen?
- unnötige gleichmacherei, pseudo-advantgardismus, verweis auf das scheinbar technische der herstellung: schreibmaschine, tastatur. und auch als wäre da kein lektor und kein setzer zwischengeschaltet
- abzulehnen jedenfalls.
kaufe es dann doch
- weil draußen die sonne so brilliant scheint
- aus übermut
- aus guter laune
- den bald kommenden kontostand antizipierend
- oder mehr so aus grundsatz
als diplomgeschenk habe ich dann noch oben im regal "wie zusammen leben" von roland barthes entdeckt, und eingepackt
bei der diplomausstellung bin ich an dem tag nicht mehr angekommen
brillianter tag
dietmar dath kann kleinschreiben. das ist nicht das selbe, wie: kann schreiben wie er will. es ist das erste buch in kleinschreibung,
- von den wenigen, die ich gelesen habe, und den vielen, in denen ich gelesen habe
das gut klein geschrieben ist. außer büchern, die aus dokumentarischen gründen kleingeschrieben sind
- brecht: arbeitsjournal
es ist ein buch aus perspektive eines 18 jährigen mädchens. der reflexhafte einwand dagegen, daß ein x-jähriger autor die position eines 18jährigen mädchens einnimmt, wird im buch selber verwurstet
- überhaupt sind es auch die fiktionsinternen wendungen, die daths romane
- dazu später
- hier auf johnson verweisen
ein paar einwände hätte ich doch. aber vor allem eine frage: wie und wann ist das junge mädchen zu einer grundfigur der zeitgenössischen deutschen literatur geworden?
- zeh: spieltriebe usw.
- oder ist es so, daß das junge mädchen als ästhetische figur wie der krieger
- und das trifft die frage des personals wie die des genres: die figur : was ist das?
wie "die salzweissen augen" am schluß gedankliche anschlußfehler produzieren anhand der falschen beobachtung des briefeschreibers, er habe in allen frauen, die auf seine jugendliebe sonja folgten, nur diese gesucht - bis hin zum äußerliche replikat (die sache dürfte eher umgekehrt liegen)
bei "waffenwetter": die erzählung (auch das hat das buch: eine erzählung, eine story) nimmt dann eine wendung, die sich nur als erzählerische wendung verstehen läßt.
- du meinst?
- ich meine
eine bestimmte wendung der erzählung, die nur auf wendungen von anderen erzählungen verweist.
- das wäre ja noch nichts schlechtes
- klingt avantgardistischer, als es ist
- ich meine:
"er habe in allen frauen, die auf seine jugendliebe sonja folgten, nur diese gesucht" ist entweder bloße meinung zum mitsingen, oder ein literarischer topos, eine form, um etwas zu erzählen, wie genre-konventionen. und genres sind formen, die spielerisch aufgenommen werden, um vor dem genre als hintergrund "etwas anderes zu erzählen". hausnummer "I'm a cyborg"/chan-wook park, "miller's crossing"/coen-brothers, "the mission"/johnnie to, oder auch ein x-beliebiges e.t.a. hoffmann märchen.
"waffenwetter": die wendung, die die erzählung nimmt, erzählt nichts anderes als : daß es sich um eine literarische erzählung handelt.
- ach deswegen: "deutlich knapp"?
- gilt für "waffenwetter" und "die salzweissen augen". dirac ist ein vollkommenes buch
- schreib mal davon
- mach ich
____
dietmar dath, waffenwetter, suhrkamp 2007
dietmar dath, die salzweissen augen. briefe über drastik und deutlichtkeit, suhrkamp 2005
Sonntag, April 13, 2008
Sonntag, März 30, 2008
Die Selbigkeit des Dinges
- schoen war ja auch dieses: jedenfalls meinem biologie-buch nach, vielleicht steh in deinem was anderes; ich ken mich nur ein wenig aus, ich habe bloss zwei jahre studiert
- bei wie vielen kaeme da der gegenteilige gestus: die wissenschaft sagt, und ich bin eigentlich biologe
es ging um die frage, auf welchen verhaeltnissen von dauer und rhythmus er seine loop-montagen aufbaut. da aber das nervensystem sich individuell unterscheide
- individuell: literally 'unteilbar'
- was individuell ist, hat mit nichts andere einen gemeinsamen nenner
- sind primzahlen individuen?
da nimmt man doch lieber die maschine, "die technik", die 24 bilder pro minute und ihre teiler.
bei luhmann (die kunst der gesellschaft) findet sich der satz: 'die selbigkeit des dinges (= des kustwerkes) ersetzt die uebereinstimung der meinungen'. mcclure ginge vielleicht noch einen schritt weter: die selbigkeit des dinges ersetzt die uebereinstimmung der wahrnehmungen
was mir so wahr an seiner position erscheint, ist: wenn man kunstwerke nicht als ausdruck einer person in einer "privatsprache" begreift,
- die es nach wittgenstein gar nicht geben kann
die projector performances waren alles andere als projektiv
es wird projeziert, aber eben nicht eine wie auch immer verstandene privat-ikonologie, -sprache, -mythologie, -gefuehlswelt
sie sind wirklich da, das ist das ding
: im gegensatz zu :
diesen kunstsachen, bei denen man einer bestimmten meinung sein muss, damit sie sind, die katalog- oder programmheftlyrik vorraussetzen, oder eine subkulturelle community, die statt einen code hervorzubringen sich gegenseitig einredet, da waere was
Freitag, März 28, 2008
projector performance
- der rhythmus-sinn?
- kein sinn für rhythmus?
rhythmus: eine basale simulation des gehirns, zusammengesetzt aus eindrücken anderer sinne
- wie der orientierungssinn?
- jedenfalls körperlich
ich kann ja nicht
- kann ich?
auf einen rhythmus zeigen wie auf etwas rotes
- ich kann nicht auf ETWAS ROTES zeigen, ich kann nur auf rote dinge zeigen, und da könnte man auch etwas anderes als gemeinsame qualität wahrnehmen
- zum beispiel die materialität
... wie der orientierungssinn
- jedenfalls körperlich
den man verliert; abhängigkeit der wahrnehmung von ihren neurologischen grundlagen: ab einer bestimmten intensität
- impulse pro fläche pro zeit
- lautstärke
- tempo
LICHT: 16 mm projektoren mit manipulierten streifen laufen : loops : schlingen, buchstäblich
SOUND: analoge delays, analoge loopgerät, eingang vom projektor
auf der ebene der wahrnehmung geschieht das, was auch sonst im film geschieht: cadrierungen wechseln, montage von cadrierungen, hier: lichtfelder in einer fläche (leinwand)
ich sehe: mein hirn stellt zusammenhänge her UND ODER AUCH die montage wird gesehen
: ich sehe nachbilder; ich sehe, daß das licht sich fließend bewegt von links nach rechts, ich sehe optische täuschung. das ist film.
- und dann kommt der reflex der avantgarde: das ist mehr film (als sei film etwas, daß mehr von sich sein könnte), das ist besserer film : das ist alles quatsch
- oder wollen sie die projector performance gegen i'm a cyborg, but that's ok aufwiegen
- darüber hast du noch garnichts geschrieben
- und dann waren da noch einwände gegen das filmmuseum: ob diese performance in diese sakarale balckbox gehört?
- jetzt aber nicht in den fehler verfallen der avantgarde: in diesem raum solte man überhaupt keine filme zeigen